Fürth | 12.03.2021

Im Gespräch mit Eine Stimme für die Pflege

Eine Stimme für die Pflege

Podcasts, Podcasts, Podcasts, spätestens seit Corona führt an dem Format kein Weg mehr vorbei. Kaum ein Thema für den es keinen Podcast gibt – umso mehr haben wir uns über den Tipp für den neuen Pflege-Podcast Eine Stimme für die Pflege gefreut.

Wer steckt hinter Eine Stimme für die Pflege?

 

Gestartet haben das Projekt Laura Schorn, Silvia Klein und Nadja Mittag. Alle drei studieren Philosophy and Economics an der Universität Bayreuth. Kennengelernt haben sie sich allerdings erst im Rahmen eines Think Tanks des Studiengangs. Hier ist auch die Idee für den Podcast entstanden. In bis jetzt drei Folgen haben die drei mit Pflegekräften und Pflegewissenschaftlern über Themen wie Wertschätzung, Innovationen und Herausforderungen im Zuge der Corona-Pandemie gesprochen und interessante Insights gewonnen.

Unsere Kollegin Natalie hat die drei interviewt und wollte wissen, wie es zu dem Projekt kam, welche Hoffnungen und Ziele die drei für den Podcast hatten und wie es (eventuell) weitergeht.

Das Interview mit Eine Stimme für die Pflege

 

Was können wir uns unter diesem Think Tank vorstellen?

 

Laura
Im Prinzip ist der Think Tank ein Seminar, das über zwei Semester geht. Ziel des Seminars ist, dass man in Kooperation mit einem Unternehmen, in unserem Fall war es das Unternehmen Diakoneo, Innovationsideen entwickelt und diese Innovationsidee dann in Form einer Publikation festhält.
Bei uns war es dann eben so, dass wir diese Ideen nicht nur aufschreiben wollten, sondern sie auch umsetzen wollten – dabei herausgekommen ist der Podcast. Neben uns gibt es auch noch weitere Teams, die sich mit anderen Themen bei Diakoneo beschäftigen.

Wie kam es zu der Idee für den Podcast?

 

Laura
Das hat sich so entwickelt…

Silvia
…weil wir zuhören wollten. Wir haben überlegt, was die wichtigen Themen sind. Zu Beginn des Seminars haben alle Teilnehmenden gemeinsam ein größeres Brainstorming gemacht, um Themen zu finden, die für Diakoneo relevant sein könnten und da war auch der Bereich Pflege mit dabei. Uns wurde relativ schnell klar, dass wir etwas mit Pflege machen wollen.
Schnell haben wir dann festgestellt, dass es sehr schwer ist sich auf ein einzelnes Thema aus der Pflege festzulegen über das wir reden wollen. So kam dann die Überlegung, wie setzen wir das um? Wie können wir so viele Themen in ein Format bringen? Aus diesen Überlegungen entstand dann unsere Idee für den Podcast. Hier kann man mehrere Folgen machen und man kann mit Pflegekräften in Dialog treten. Wir drei hatten keine Ahnung von Pflege, wir kommen ja aus einer ganz anderen Richtung und da können wir jetzt nicht über die Probleme und Lösungen in der Pflege reden. Was wir aber wir können, ist eine Plattform für die Pflege schaffen und das haben wir dann versucht.

Wann habt ihr mit dem Projekt „Podcast“ begonnen?

 

Laura
Der Think Tank hat im Sommersemester 2020 gestartet. Im ersten Semester haben wir uns mit der Ideenfindung befasst, also wo wollen wir hin, was wollen wir machen und ist es realisierbar? Dieses Semester ging es dann darum dieses Ziel dann auch in die Tat umsetzen.

Silvia
Ich glaube wir haben im Herbst dann mit der konkreten Planung angefangen und dann im November die erste Folge aufgenommen.

Hat sich durch den Podcast euer Bild von der Pflege verändert?

 

Nadja
Ja, ich glaube inzwischen wissen wir einfach viel mehr über den Bereich. Es hat auch gezeigt, wie komplex und vielfältig dieser Beruf ist. Laura wusste schon ein bisschen mehr darüber, weil ihre Mutter in der Pflege arbeitet. Silvia und ich hatten davor noch nicht so viele Vorkenntnisse. Es gibt einfach so viel Handlungsspielraum und Möglichkeiten und es ist interessant zu sehen, was alles gemacht wird, aber auch noch zukünftig gemacht werden könnte.

Silvia
Ich glaube auch die Wertschätzung für den Pflegeberuf steigt nochmal, wenn man sieht welche Arbeit da tagtäglich geleistet wird. Ich hatte vorher einfach nicht so viele Berührungspunkte mit der Pflege. Mir war natürlich schon klar, dass das ein wichtiger Job ist und als ich einmal im Krankenhaus war, war ich auch sehr froh, dass da Leute waren, die sich um mich kümmern und ich mich sicher fühlen konnte. Auch jetzt im Zuge der Corona-Pandemie, man weiß das schon, aber es dann nochmal was anderes, ein emotionaleres Gefühl, wenn man mit den Menschen redet.

Laura
Ich wusste eigentlich schon vieles von meiner Mutter, aber wenn man den SprecherInnen dann zuhört, dann kommen nochmal ganz andere Dimensionen ans Licht. Wir haben jetzt nur für uns die ersten drei großen Themen abgeklappert, was aber natürlich noch lange nicht alles ist. Das war schon sehr aufschlussreich und manchmal auch ein bisschen schockierend. In jedem Fall war es mega interessant die ganzen verschiedenen Perspektiven zu hören. Ich glaube auch, dass es super wichtig ist, dass man sich damit immer wieder auseinandersetzt. Auch für uns, die jetzt schon mehr mit dem Thema Pflege zu tun hatten, hat es trotzdem immer wieder neue Erkenntnisse gegeben. Für jemanden der sich noch gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wird der Podcast bestimmt viele Überraschungen parat haben. Das habe ich z.B. auch schon mehrfach aus meinem persönlichen Umfeld mitbekommen.

Wie habt ihr euch auf die Folgen vorbereitet?

 

Silvia
Wir haben am Anfang überlegt welche Themen wir behandeln wollen. Da habe ich mitbekommen, dass das Thema Wertschätzung immer wieder fällt. Da war schon klar, dass wir darüber was machen müssen. Die Idee war dann, dass wir eine Einführungsfolge machen, das sollte einfach nur ein Gespräch werden und danach schauen wir nach Lösungen. Das haben wir dann aufgeteilt. Nadja hat dann die erste Folge übernommen, ich die zweite und Laura die dritte.

Dann hieß es erst einmal recherchieren, Kontakte zu Menschen aufnehmen, die wir interessant für die Folge fanden. Das war tatsächlich einfacher als ich ursprünglich gedacht hatte. Ich hatte schon Erfahrung mit Akquise-Arbeit und ich war es eigentlich gewohnt, dass man da oft mehrmals nachhaken muss und es öfter mal Absagen gibt – v.a. bei Projekten wie unserem, was ja eine Art ehrenamtliche Sache ist, wir können ja nicht mit großen Honoraren locken. Tatsächlich war es aber nicht schwer, die meisten waren sehr begeistert und haben sofort zugesagt und wenn es mal nicht ging, dann war es aus Zeitgründen. Wir wurden dann aber immer gleich weiter verwiesen. Das war für uns ein sehr schöner Moment, als wir gemerkt haben, ok anscheinend besteht wirklich Redebedarf und anscheinend machen wir das Richtige hier.

Wir haben dann auch immer versucht, darauf zu achten, wen wir einladen. Wir wollten eine Mischung aus Praxis und Theorie und wir haben auch eine Art Frauenquote für uns festgelegt. Auf jeden Fall wollten wir immer Pflegekräfte dabeihaben. Wir wollten keine einzige Folge haben, in der nur Menschen von außerhalb über Pflege reden.

Für die inhaltliche Ausgestaltung haben wir unsere eigene Recherche gemacht und uns Fragen überlegt: Hier haben wir versucht, dass wir einen gewissen Satus Quo rausfinden und zu Beginn der Folge ansprechen und von dort dann in eine lösungsorientierte Richtung und letztendlich in die Diskussionsrunde gehen.

Laura
Das Ding bei Wertschätzung ist auch immer, dass jeder denkt, die Art und Weise, wie er oder sie wertschätzt wird schon so passen. Eigentlich muss man aber doch den Leuten zuhören, die wertgeschätzt werden wollen, um das auch richtig rüberbringen zu können. Ich würde schon sagen, dass wir jetzt einen besseren Einblick haben, weil wir zugehört haben. Prinzipiell ist es aber immer so ist, dass wenn man Leuten Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenbringen möchte, sollte man ihnen auch zuhören und fragen, welche Art der Wertschätzung sie sich auch wirklich wünschen. Ein ähnliches Beispiel ist der Corona-Bonus. Der wurde teilweise total unterschiedlich ausgezahlt. Das fühlt sich dann nicht wie eine echte Wertschätzung an und hat dann eher einen negativen Effekt, als wenn man einfach zugehört hätte und danach gehandelt hätte. Wertschätzung heißt ja auch, dass man zuhört und Aufmerksamkeit schenkt.

Nadja
Eine der Pflegekräfte, die bei uns war hat auch erzählt, dass ihr Krankenhaus Corona-Patienten von einer anderen Einrichtung aufgenommen und gepflegt hat, weil die Einrichtung überlastet war. Den Corona-Bonus hat aber nur das andere Krankenhaus bekommen, weil ihr Krankenhaus nicht die Erstaufnahme gemacht hat. Sowas geht halt einfach gar nicht.

Silvia
Ich glaube auch, zuhören ist der erste wichtige Schritt, um zu wissen, wo man ansetzen muss und dann müssen Worten auch Taten folgen. Gestern war z.B. die Anhörung im Bundestag von der Pflegepetition (Anm. d. R.: Pflege braucht Würde) und auch da habe ich wieder sehr viel Frustration von Seiten der Pflege mitbekommen. Man hat auch gemerkt, dass leider viele einfach schon an diese Frustration gewöhnt sind. Das war eine der erfolgreichsten Petitionen überhaupt, die wurde richtig gepusht und jetzt wurde darüber geredet, u.a. mit Jens Spahn und trotzdem gab es wieder viel Relativierung „Ja, so schlimm ist das doch gar nicht.“, „Schaut mal, was wir ihr hier schon Tolles bekommen habt.“ Da wird viel wieder weggewischt und dann gibt es auch allgemein viele Diskussionen. Es ist ja auch nicht so, dass alle Pflegekräfte der gleichen Meinung wären. Nehmen wir z.B. bei das Thema generalistische Ausbildung, da gibt es viele Pflegekräfte, die sagen, dass ist ein totales Risiko, das ist einfach noch mehr Stoff und mehr Überforderung und wieder andere die sagen, vielleicht hilft es doch was. Vielleicht muss man auch da nochmal einen Schritt zurückgehen und den Dialog suchen, anstatt von außen zu kommen und zu sagen: „Ja wir haben da jetzt etwas gemacht, jetzt stellt euch nicht so an.“.

Nadja
Auf Instagram folgen wir ja auch einigen Pflegekräften, da wird immer wieder aufgeworfen, dass Jens Spahn doch mal ein bis zwei Tage in der Pflege arbeiten sollte, dann würde er schon sehen, wie es wirklich aussieht. So ist es auch wirklich. Man bekommt manchmal den Eindruck, dass niemand eine Ahnung hat, wie es wirklich in der Pflege ist.

Wie kann man eurer Meinung nach Wertschätzung darstellen?

 

Nadja
Ich glaube da gibt es viele Ansatzpunkte, letztendlich ist das ein total komplexes Thema, weil die Pflege gerade in so einem Tief ist durch den Fachkräftemangel. Dadurch ist es einfach enorm schwierig die Wertschätzung rüber zu bringen, dass die Pflege auch das bekommt, was sie braucht um ihren Beruf auszuführen, so wie sie es gerne würden. Ich glaube das wichtigste ist wirklich erst einmal, dass gesehen wird was die Pflege tut, dass wahrgenommen wird welche Bedürfnisse sie haben und dass wahrgenommen wird was alles getan werden muss, wo der Bereich gerade steht und dann eben auch, dass auch wirklich gehandelt wird, von der Politik. Auch das ist leichter gesagt als getan, weil letztendlich geht es eben darum, dass man mehr Pflegekräfte in den Beruf bekommt. Dadurch, dass die Situation aber so ist, wie sie gerade ist, ist das aber enorm schwierig. Klar könnte man besser bezahlen, aber da müssen eben auch erstmal die Mittel her. Bezahlung ist eben auch nicht alles.

Es wurden z.B. auch schon Werbemaßnahmen von der Bundesregierung gemacht und die waren zum Teil auch nicht so erfolgreich. Gerade da hätte man sich mal mit Pflegekräften zusammensetzen müssen und fragen müssen, was man den machen könnte. Nehmen wir als Beispiel „Ehrenpflegas“ (Anm. d. R. mehrteilige Youtube-Serie des Bundesministeriums für Familie und Soziales), das war so ziemlich am Ziel vorbei. Die Pflegenden wurden gar nicht so richtig gefragt und es wurde geschaut, was könnte cool hip und jung sein und dann macht man sich im Prinzip eigentlich nur über den Beruf lustig.

Wie seid ihr zu euren InterviewpartnernInnen gekommen?

 

Nadja
Es war immer mindesten eine Person unseres Kooperationspartners Diakoneo dabei, also eine Pflegekraft oder eine Bereichsleitung. Ansonsten haben wir zu Großteil selbst recherchiert.

Silvia
Wir hatten viele Rücksprachen mit Frau Strickstock, sie hat unser Projekt bei Diakoneo betreut, bei ihr haben wir uns immer Feedback eingeholt. Das war sehr hilfreich. Die Kommunikation mit unseren InterviewpartnerInnen lief letztendlich über uns.

Laura
Es war auch super schön, dass von Seiten von Diakoneo Leute von sich aus mitmachen wollten. Das war für uns natürlich die coolste Rückmeldung, die wir bekommen konnten. Zum Beispiel Michelle Grün aus Folge drei, Michelle arbeitet als Stationsleitung beim DIAK Klinikum. Sie hat sich bei Frau Strickstock gemeldet und gefragt, ob sie bei dem Podcast mitmachen könnte.

Silvia
Alle Pflegekräfte, die wir interviewt haben, waren auch richtig spontan. Ich glaube Clarissa, die wir in der ersten Folge zu Gast hatten, kam direkt aus dem Dienst und hat sich die Zeit genommen mit uns den Podcast aufzunehmen. Das kam öfter vor.

 

Eine Stimme für die Pflege

 

Was war eure persönliche Lieblingsfolge von Eine Stimme für die Pflege?

 

Silvia
Das ist total schwer zu sagen. Ich glaube bei mir war es so, dass ich an meiner Folge am meisten gezweifelt habe. Die anderen beiden mussten mir immer wieder sagen, das ist gut so, das ist kein Desaster. Das sieht man selbst ganz anders. Bei Lauras und Nadias Folgen, war ich mir sicher das wird großartig, da habe ich richtig Lust die anzuhören. Bei mir selbst war ich mir da nicht so sicher.
Ich finde jede Folge hat etwas Besonderes, bei der eigenen ist man emotional nochmal anders drin. Entscheiden könnte ich mich aber nicht.

Laura
Ich glaube auch, man kann die Folgen nicht wirklich vergleichen. Die erste Folge war total emotional. Die anderen zwei waren eher lösungsorientiert. Da kommt es auch darauf an, in welcher Sparte man sich selbst wiederfindet.

Nadja
Ich fand auch alle Folgen super interessant. Bei der eigenen war ich auch extrem aufgeregt. Ich hatte ja die erste Folge und dachte mir, oh Gott, wenn das jetzt nichts wird, habe ich jetzt alles versaut. Die ersten 20 Minuten waren sowohl ich als auch die Sprecherinnen total aufgeregt, danach wurde es besser. Wir haben uns dann immer gesagt, dass wir alle Versprecher im Nachhinein wieder rausschneiden können. In der ersten Folge gab es auch noch technische Probleme, eine der Sprecherinnen hat man irgendwann gar nicht mehr gehört, dass war total schade. Zum Glück hat sie uns dann im Anschluss nochmal Sprachmemos geschickt. Die wir haben wir dann nachträglich reingeschnitten.

Silvia
Wir haben ja auch alle nie vorher etwas geschnitten. Wir haben wirklich alles selbst gemacht, also Marketing, Schnitt und Produktion. Keine von uns hatte vorher etwas in diese Richtung gemacht. Deshalb wussten wir die ersten Male auch nicht, worauf man achten muss.

Wen würdet ihr euch als Interviewpartner wünschen?

 

Silvia
Am spannendsten finde ich es tatsächlich mit den Pflegekräften aus der Praxis zu sprechen.
Natürlich wäre es auch toll, wenn man mal einen hohen Politiker oder Politikerin bekommt und die dann mit den Pflegekräften zusammensetzt, aber ich habe auch schon genug Politiksendungen gesehen, um zu wissen, wo das dann hinführen kann und dass es im Zweifelsfall zu gar nichts führt. Ich fand es z.B. in der zweiten Folge spannend, dass man die Kombination aus Pflege, Forschung und Beratung hatte und dass jeder seine eigene Perspektive mitbringt.

Mein Traum wäre es nochmal tiefer in gewisse Themen einzutauchen und da Menschen zu bekommen, die wirklich Ahnung von dem haben was sie machen.

Nadja
Auch nochmal tiefer in die Forschung reinzugehen und da nochmal mit Menschen zu sprechen. Da gibt es so viele interessante Projekte, die wir jetzt gefunden haben, von denen wir vorher selbst auch noch keine Ahnung hatten. Es wäre toll mit PflegewissenschaftlerInnen zu sprechen, die sich beruflich mit diesen Projekten auseinandersetzen.

Laura
Vor allen Dingen auch mit Leuten, die sich trauen etwas zu sagen, die Probleme offen ansprechen und wirklich auf dieses Problem aufmerksam machen können und wollen. Wie Silvia schon gesagt hat, prinzipiell sind alle Perspektiven interessant. Ich glaube es gab bei jedem unserer Gäste diesen Aha-Moment.

Nadja
Bei Politikern hat man wirklich oft den Eindruck, dass sie ziemlich genau aufpassen, auf dass was sagen.

Silvia
Was ja auch verständlich ist. Da hängt ja auch vieles für sie dran. Man muss ja auch fairerweise sagen, dass PolitikerInnen oft nicht die ExpertInnen sind und das auch nicht sein können, sondern dass da ein ganzes Team dahintersteckt. Da ist dann auch die Frage, ob es Sinn ergibt, wenn man von den PolitkerInnen erwartet, dass sie die Weisheiten ausspucken oder ob man nicht versucht es den Spieß umzudrehen. Wir holen die Leute, die sagen wie es ist und hoffen, dass es dann die Menschen erreicht, die die Entscheidungen treffen.

Laura
Es wäre z.B. auch interessant Start-Ups, wie MOIO einzuladen, um zu sehen, was es überhaupt schon gibt. Das war auch das Ziel meiner Folge. Man sollte sehen was schon alles im Gange ist und vielleicht dadurch auch ein bisschen Hoffnung verbreiten. Die Gewissheit, es ändert sich etwas. Es gibt wirklich so viele Menschen, die sich darum bemühen, dass das Ganze erleichtert wird. Da wäre es natürlich interessant mit Leuten aus dieser Szene zu reden, die Produkte entwickeln oder neue Ideen haben. Ich habe auch das Gefühl, dass geht oft unter. Meine Mutter, die selbst in der Pflege arbeitet, hatte von gar nichts gewusst, von dem in meiner Folge gesprochen wurde. In der Pflege fehlt da auch einfach die Zeit sich zu informieren.

Wie seht ihr den aktuellen Status von Innovation in der Pflege?

 

Laura
Ich kann da erstmal nur für meine Folge sprechen. Prinzipiell ist da eine große Offenheit für Innovation. Auch dieses Klischee, die Älteren möchten das eher weniger stimmt so nicht. Wenn Menschen den Nutzen und die Usability in etwas sehen, dann haben die auch Lust sich damit auseinanderzusetzen. Die BGW hat eine Studie gemacht, bei der herauskam, dass Pflegekräfte offen für Innovationen sind, wenn sie den Nutzen sehen. Sehen, dass es ethisch vertretbar ist und dass es Handlungsspielräume eher schafft als einzuschränken. Wenn man z.B. eine Krankheit hat und sich dann durch eine Technologie, wie zum Beispiel moio.care wieder freier fühlt, dann sind die Pflegekräfte da auch sehr aufgeschlossen.

Natürlich muss man auch vor der aktuellen Situation mit Corona sagen, dass die Pflegekräfte extrem ausgelaugt sind und wenig Kapazitäten haben sich mit Neuem auseinanderzusetzen. Der Wille dazu ist aber vorhanden. Mit dem richtigen Konzept, hier schlug z.B. Michelle Grün Mikroschulungen vor , in denen man Schritt für Schritt auf die Bedürfnisse der Pflegekräfte eingeht.
Die Finanzierung spielt v.a. bei digitalen Innovationen auch immer eine Rolle. Prinzipiell können die Pflegekräfte es aber kaum erwarten, dass da etwas Neues kommt.

Wie können wir Innovationen besser an die Pflege vermitteln?

 

Laura:
In meiner Folge kam heraus, dass da auf Seiten der Entwicklung pluralistische Konsortien geben sollte. Das wurde zumindest von Frau Dr. Assadi vorgeschlagen. Da merkt man dann erstmal, wie viele Perspektive in die Entwicklung mit herein spielen, wie viele Ängste, Sorgen und Chancen zusammenkommen. Diese Aspekte muss man koordinieren und der Entwicklung mitgeben.
Anderseits brauchen wir aber auch Aufklärung für die Gesellschaft, damit diese informiert wird, was da gerade passiert.

Das Problem bei der Technik ist auch, dass wir immer smarter werden und die Techniken sich auch immer mehr untereinander vernetzen. Da kann man schon manch-mal das Gefühl haben die Kontrolle zu verlieren. Davor war es ja so, ich drücke den Lichtschalter und das Licht geht an. Man wusste also ganz genau was da passiert. Heutzutage wissen wir nicht mehr, was passiert mit unseren Daten, unseren Handys und wo wird das alles hingeschickt? Da sind viele dann doch zurecht misstrauisch. Dieses Misstrauen und diese Ängste muss man erstmal nehmen, damit die Menschen dann auch die Chancen von einem Produkt sehen können. Das gilt dann so auch nochmal für die Pflege.

Daraus ergeben sich drei große Bereiche. Die Darstellung des Nutzens, der transparente Umgang mit möglichen Risiken und das klare Aufzeigen von Grenzen, z.B. dass die Anwendung nicht die soziale Interaktion zwischen Patienten und Pflegenden einschränken soll. Hier muss klar kommuniziert werden.
Eine Möglichkeit für Technikentwickler, die ihre Produkte vorstellen sind z.B. Mikro-Schulungen, was zeitlich sehr angenehm für die Pflegekräfte ist. Hier können die Entwickler den Nutzen für alle Beteiligten aufzeigen, erklären wie das Produkt funktioniert oder was mit den Daten geschieht. Manuella Füller meinte auch, dass es wichtig wäre in der Sprache der Pflege zu sprechen und technische Sachverhalte so zu erklären, dass es auch Nicht-IT’lerInnen verstehen.

Wird es noch weitere Folgen von Eine Stimme für die Pflege geben?

 

Silvia
Wir haben in den nächsten Wochen Meetings mit verschiedenen Personen, die für die Fortführung relevant sind. Dementsprechend ist gerade noch alles offen. Wir hatten total viel Spaß und haben dabei so viel gelernt. Ich glaube wir haben auch alle drei Lust weiter zu machen, aber das hängt natürlich von vielen Rahmenbedingungen ab. Wir sprechen nochmal mit den BetreuerInnen des Seminars und unseren BetreuerInnen von Diakoneo und dann schauen wir, ob es möglich ist den Podcast sinnvoll weiterzuführen. Natürlich wollen wir jetzt auch nicht mit Gewalt weitermachen nur um weiter zu machen. Deshalb lassen wir uns jetzt lieber etwas mehr Zeit bevor wir uns entscheiden.

Laura
Man sieht natürlich auch das Potenzial, was noch gehen können, wenn man Entlastung hätte oder xy machen würde. Ich glaube wir können sehr bestimmt sagen, dass wir es auch unterschätzt haben, was alles an so einem Podcast dranhängt und wie viel Arbeit das ist. Das Schneiden, das Marketing, die Instagram-Seite pflegen und nebenbei noch ein bisschen studieren.

Silvia
Das war aber gut so. Ich glaube, wenn wir am Anfang gewusst hätten, wie viele Stunden da reinfließen, hätten wir das vielleicht nicht gemacht.

Laura
Was jetzt nicht heißt, dass wir es bereuen würden. In keinster Weise!
Es ist ja auch interessant, wo das noch überall hinführen könnte. Das ist auch das, was mich antreibt. Ich möchte sehen, wo das noch hingehen kann.

Unser Fazit

 

Man merkt Eine Stimme für die Pflege ist für Nadja, Laura und Silvia ein wahres Herzensprojekt und viel mehr als eine bloße Hausarbeit. Der Name ist hier Programm. In den drei Folgen erwarten Sie spannende Einblicke in den Pflegealltag, Diskussionen rund um die Herausforderungen während der Corona-Pandemie und Einblicke in den aktuellen Status des Innovationsgrades der Pflegebranche.

Alle bisherigen Folgen finden Sie übrigens hier.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal ganz herzlich für das spannende Interview bedanken. Wir vom gesamten MOIO-Team wünschen den Dreien alles Gute für die Zukunft und drücken die Daumen, dass es noch viele weitere Folgen von Eine Stimme für die Pflege geben wird.

Natalie von MOIO und Eine Stimme für die Pflege

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