15. Januar 2019

Hinlauftendenzen: Wie moio.care dabei helfen kann mit dem Bewegungsdrang umzugehen.

Knapp 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leiden im Jahr 2016 an Demenz (vgl. statista 2018). Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Die Zahl der Demenzkranken nimmt aufgrund demografischer Entwicklungen kontinuierlich zu. Jahr für Jahr treten mehr als 300.000 Neuerkrankungen auf (vgl. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., 2018). Je nach Erkrankungsstadium sind die Betroffenen im Alltag deutlich beeinträchtigt bis stark pflegebedürftig.

In frühen Stadien geht mit der Erkrankung häufig ein ausgeprägter Bewegungsdrang einher. Nicht selten kann man sogenannte Hinlauftendenzen beobachten. Mit dem Begriff der Hinlauftendenz ist der Drang demenzerkrankter Personen gemeint, Menschen und Orte aufzu-suchen, die ihr Langzeitgedächtnis als Heimat gespeichert hat (vgl. Christian Beneker, 2016). In den letzten Jahren häufen sich die Berichte von abgängigen Patienten oder de-mentiell veränderten Personen. Dies stellt ein großes Problem in der häuslichen und profes-sionellen Pflege dar und gerade jetzt in der kalten Jahreszeit kann dies schnell zu einer ernsthaften Gefährdung der Erkrankten führen. Die Ungewissheit über den Verbleib einer dementiell veränderten Person wiegt schwer. Bewegungsdrang bedeutet nicht automatisch Weglaufen oder Flucht. Es wird, je nach Ursache, unterschieden zwischen dem Weglaufen, dem Hinlaufen zu einem gegebenenfalls imaginären Ziel, dem Spazierengehen oder dem Verirren (vgl. Wegweiser Demenz 2018a).

1. Durch welche Symptome zeichnet sich eine Hinlauftendenz aus?

Die Tendenz zum Hinlaufen kann ausgelöst werden, wenn die Person eine konkrete Situation in der Vergangenheit durchlebt. Durch welche beispielhaften Symptome eine Hinlauftendenz erkannt werden kann, wird im Folgenden kurz aufgelistet (vgl. Wegweiser Demenz 2018a):

  • Der Betroffene hat ein klares Ziel.
  • Die Person hat es eilig und wirkt gehetzt.
  • Aussagen, wie: “Ich darf nicht zu spät kommen“, werden ständig wiederholt.
  • Der Betroffene wähnt sich an einem anderen Ort oder in einer anderen Lebensphase.
 2. Was bedeutet dies nun für die Verantwortlichen?

In den meisten Fällen möchte der Erkrankte zum Beispiel sein früheres Zuhause oder eine alte Arbeitsstätte aufsuchen. Oftmals passiert das in den ersten Tagen nach dem Umzug in eine Pflegeeinrichtung. Aber auch bei der Pflege zuhause kommt es vermehrt zu ungewollten Spaziergängen der Demenzkranken. Pflegebedürftige, welche sich auf Wanderschaft begeben, sollten immer in einem ruhigen und respektvollen Ton angesprochen werden. Ist das nötige Vertrauen aufgebaut, kann Ihnen Hilfe angeboten werden, die Person nach Hause bzw. in die Pflegeeinrichtung zurück zu begleiten. Wichtig hierbei ist es, langsam zu sprechen und dem Demenzkranken ausreichend Zeit zum Antworten zu lassen (vgl. Wegweiser Demenz 2018a).

3. Welche Vorkehrungen können Verantwortliche treffen?

Geeignete Gegenmaßnahmen sind schwer zu finden, da man meist die Bewegungsfreiheit der an Demenz erkrankten Personen nicht noch mehr einschränken möchte. Was auf den ersten Blick hilfreich erscheint, ist oft ein Einschnitt in deren Recht auf Bewegungsfreiheit und bedarf in Fällen von stationärer Unterbringung einer richterlichen Genehmigung
(vgl. Wegweiser Demenz 2018b). Ein Einschnitt in die Bewegungsfreiheit von Demenzkranken steht auch im Gegensatz zu einem zentralen Aspekt im Rahmen gesundheitlicher Präventionen von pflegebedürftigen Menschen: der Bewegungsförderung (vgl. Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege, 2014).

Um in einem Ernstfall dennoch schnell handeln zu können, gibt es einige Vorkehrungen, die getroffen werden können. Eine mögliche Vorkehrung ist das Erstellen einer Liste aller möglichen Orte, an denen sich ein Bewohner in der Einrichtung und der Umgebung aufhalten könnte, um diese ggf. strukturiert absuchen zu können. Also etwa seinem alten Wohnort, Lieblingscafé, Gastwirtschaft oder Adressen von Freunden. Des Weiteren sollte der Bewohner stets alle relevanten Daten bei sich tragen, beispielsweise mittels eingenähten Schildes oder einer SOS-Kette. Insbesondere der Name, Telefonnummer und Adresse der Einrichtung oder der Heimatadresse, sowie medizinische Besonderheiten des Demenzkranken sollten darauf zu finden sein. Die Dokumentation der Bekleidung kann bei der Suche des Demenzkranken ebenfalls hilfreich sein. Sofern möglich, kann mit den betroffenen Personen für einen Ernstfall das richtige Verhalten, beispielsweise das Betätigen der Notruffunktion öffentlicher Telefone oder das Herbeirufen von Hilfe, trainiert werden. Trotz getroffener Vorkehrungen ist die Unsicherheit meist groß. Vor allem bei extremen Temperaturen oder bei Personen mit therapiebedürftigen Erkrankungen, wie z.B. Diabetes, ist eine kurze Suche das Ziel.

 4. Wie kann moio.care helfen?

 Dadurch, dass das moio direkt am Körper getragen wird, sind wir ortsunabhängig. Das moio bietet für das Problem der Hinlauftendenz zwei Lösungen an: Die aktive Ortung und das Geofencing. Durch die Aktivierung der aktiven Ortung kann das moio punktgenau den Aufenthaltsort des Trägers bestimmen, sowohl innerhalb einer Pflegeeinrichtung als auch in deren Umgebung. Professionelle Pflegekräfte oder pflegende Angehörige können sich damit sofort auf Ihrem mobilen Endgerät anzeigen lassen, wo sich der Demenzerkrankte befindet. Durch die genaue und zuverlässige Ortung können desorientierte Personen schnell gefunden und zurückgebracht werden. Neben der aktiven Ortung gibt das moio durch die Funktion des Geofencings auch Aufschluss darüber, ob der Träger einen geschützten Bereich verlassen hat. Den geschützten Bereich kann jeder Verantwortliche ganz individuell in der dazugehörigen moio.app einstellen. Sobald die demente Person den festgelegten Bereich verlässt, werden die Verantwortlichen automatisch über unsere App informiert. Auf Seiten der Pflegenden bedeutet dies vor allem eines: Entlastung. Kurze Unaufmerksamkeiten oder das Erledigen anderer Aufgaben stellen mithilfe des moios kein Problem mehr dar. Dies bedeutet aber auch, dass den pflegebedürftigen Personen wieder mehr Bewegungsfreiraum gegeben werden kann. Spaziergänge innerhalb der Einrichtung oder deren Umgebung können ohne eine Aufsicht unternommen werden. Demenzkranke können dadurch ihren Bewegungsdrang ausleben, ohne dabei in ständiger Begleitung einer Pflegekraft oder eines pflegenden Angehörigen zu sein. Damit gewährleistet das moio den Erhalt der Lebensqualität von Demenzkranken und erfüllt somit nicht nur die Bedürfnisse der Pflegenden, sondern auch die der Pflegebedürftigen.

(Autoren: Janine Krappmann/ Natalie Heckel)

Quellen