• Ethik

moio.care und die Würde des Menschen

Einer der meistdiskutierten Themenkomplexe im Bereich technischer Assistenzsysteme in der Pflege beschäftigt sich mit der Frage, ob der Einsatz dieser Technologien die Würde des Menschen in unzulässiger Weise angreift. Die Antwort ist selten einfach, es gibt kaum ein einfaches richtig oder falsch. Viele Aspekte müssen berücksichtigt, Einstellungen reflektiert und vor dem eigenen Menschenbild abgewogen und bewertet werden, um sich am Ende eine fundierte Meinung bilden zu können.

Die Würde den Menschen ist uns ein zentrales Anliegen. Von Anfang an haben wir uns bei der Entwicklung des moio.care Systems neben dem technisch Machbaren sondern genauso intensiv mit dem ethisch Vertretbaren beschäftigt. Die eingehende Auseinandersetzung mit den oft sensiblen Aspekten beim Zusammenspiel von Technik und Pflege zeichnet das moio.care System als Ganzes aus.

Seit Beginn der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten tauschen wir uns intensiv mit Pflegekräften und pflegenden Angehörigen aus, um Bedürfnisse, Bedenken aber auch Ängste berücksichtigen zu können. Beim moio.care System haben wir stets versucht, Technik und Pflege nicht als zwei gegensätzliche Pole zu sehen, die in Balance zu bringen sind, sondern Technik als Unterstützung einer menschenwürdigen Pflege zu verstehen.

In enger Zusammenarbeit mit der Wilhelm Löhe Hochschule und der Diakonie Neuendettelsau diskutieren wir ethische Aspekte mit und von Experten. Dadurch gewinnen wir einen umfassenden Eindruck und können diese Erkenntnisse in unsere Lösungen integrieren.

An dieser Stelle möchten wir den Experten das Feld überlassen, damit Sie selbst die Argumente beurteilen und sich eine Meinung in der ethische Diskussion bilden können.

Leitfrage: Greift das moio.care System die Würde eines Menschen an?

Pfarrer Prof. Dr. Dr. Elmar Nass,
Professur für Wirtschafts- und Sozialethik

Grundsätzlich gilt: Ein Mensch darf niemals für die Interessen eines anderen verzweckt werden. Daher ist es unzulässig, die Interessen des Gepflegten mit dem Interesse des Pflegenden am moio.care System aufzurechnen. Das moio.care System muss deshalb auch unabhängig von den Konsequenzen für andere Betroffene allein die wesentlichen humanen Grundfunktionen des Gepflegten stärken.

Es gilt die Forderung: „Die Würde jedes Menschen ist unantastbar“. Dafür zu schützen sind die physischen und psychischen Körperfunktionen, geistige und körperliche Aktivität, Mobilität, soziale Partizipation, Selbstbestimmung, Privatheit und die Übernahme von Verantwortung, dort wo es möglich ist.

Jeder dieser Faktoren muss einzeln für sich alleine bewertet werden. Die Ergebnisse sind nicht miteinander aufzurechnen, sie müssen alle positiv erfüllt sein. Hilfsmittel, die diese Faktoren vollumfänglich schützen, sind human.

Das moio.care System ermöglicht den Gepflegten einen größeren Bewegungsradius, es mindert durch seine Funktionen eindeutig die Gefahr der Selbst- und Fremdschädigung. Es ermöglicht Bewegungsfreiräume und stärkt dadurch Aktivität, Mobilität, Partizipation und Selbstbestimmung. Letztlich fördert das moio.care System auch die Privatheit, da durch die Sensorinformationen die notwendige Hilfe präzisiert und minimiert wird.

Insgesamt stärkt das moio.care System die Menschenwürde des Gepflegten.

Diese Stärkung steht auch nicht im Widerspruch zu den positiven Auswirkungen auf Seiten der Pflegenden – ganz im Gegenteil. Diese kommen offensichtlich noch hinzu. Denn es gibt auch für Pflegende ein Plus an Sicherheit, an Freiheit, an Zeit für eigene Aktivität und soziale Teilhabe, die am Ende auch wieder der liebevollen Beziehung zu dem Erkrankten nachhaltig zugutekommt.